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Presse
Mindestens drei Stars bei literarischem Schlagabtausch (17.11.2011)
Der etwas andere Deutschunterricht: Poetry Slam im Bogenzauberraum der Alten Brauerei in Döben
Grimma/Döben. Für den etwas anderen Deutschunterricht haben sich Schüler und deren Lehrer Jens Richter vom Gymnasium St. Augustin im Bogenzauberraum der Alten Brauerei auf dem Schlossgelände in Döben getroffen. Dort veranstalteten sie ihr 2. Poetry Slam, einen salopp übersetzt verbalen Schlagabtausch von selbst geschriebenen Dichtungen.
Nicht nur die gymnasialen Protagonisten des Gedicht- und Rezitationswettbewerbes, der von Schülerin Sandra Hammermüller moderiert wurde, saßen in den gut gefüllten Publikumsreihen - mit dabei war auch Patrick Salmen. Jener Lyrik- und Prosaautor, der zu den bekanntesten "Poetry Slammern" gehört und 2010 zum deutschsprachigen Meister seines Faches gekürt wurde. Folgte Salmen einer Einladung als Stargast, sollte er, soviel sei an dieser Stelle vorweggenommen, nicht der einzige Star des Abends bleiben.
Zunächst standen die für den Wettstreit angemeldeten Gymnasiasten mit ihren Versen, Reimen und Geschichten vor dem Publikum, das dem Reglement nach die Wertung vorzunehmen hatte. Aber auch unter jenen Autoren, die sich spontan zu Wort meldeten und es erteilt bekamen. Unter ihnen die kleine Hanna Siebert, sie ließ mit eigenen Gedichten aufhorchen. Allerdings entschied die Jury, bestehend aus den Schülern Nadia Lauchstädt und Andreas Donner sowie Matthes und Jonas Nicolaus, die erst Achtjährige aus der Wertung rauszulassen. Dafür heimste Hanna den Preis der Sympathie ein und avancierte nach Salmen zum zweiten Star des Abends. Während die Jury Punkte in die Wertung einfließen ließ, galt bei den Zuhörern die Anzahl ihrer Stimmen. Manifestiert durch die Eintrittskarten, die in für jeden einzelnen der neun Autoren vorbereitete Umschläge zu stecken waren. Unter ihnen den Sieger zu benennen sollte eigentlich einfach sein. Doch die Jury machte es spannend, sie ließ zwischenzeitlich eine Schülerband 1(siehe unten) auftreten und natürlich Patrick Salmen, der für humoristische Geschichten, wie er sagte, zumeist Alltagserlebnisse niederschreibt und wiedergibt. "Für poetische und lyrische Texte habe ich Bilder im Kopf, Gerüche und Atmosphären, woraus automatisch Geschichten entstehen", sagte Salmen. Den Beweis lieferte er mit seinen Gastdarbietungen. Weil die Reaktion darauf bei Julien Reimer im Publikum eine Besondere war, die Salmen "bemerkenswert" fand, holte er sich kurzerhand den Schüler auf die Bühne, um mit ihm noch einen Zwei-Personen-Text vorzutragen. Standing Ovations machten Julien zum dritten, ja sogar frenetisch umjubelten Star des Abends. Und für seinen eigenen Beitrag wurde er zudem mit 40 Prozent aller Zuschauerstimmen souverän an die Spitze der teilnehmenden "Poetry Slammer" gestellt. Frank Schmidt
1(durch die Redaktion geändert)
Eine Schülerband war es dann doch nicht! Der Mutzschener Jugendpfarrer und auf vielen Instrumenten heimische Musiker und Mitbegründer der Band "Die Schwarzen Löcher", Henning Olschowsky und Mathis Nicolaus (eigentlich Piano und Jazz, hier Percussion) hatten im Vorfeld eine Poetryband gegründet, dazu Lea Olschowsky (Gesang), Nadja Lauchstädt (Gesang) und Jonas Nicolaus (Bass) eingeladen. Und fleißig geprobt und arrangiert.
Und so hätte dem ganzen Abend ein warmer Lebensstrom gefehlt, ohne unsere Band. Danke an euch.
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Poetry Slam
Wettstreit der Poeten in der Alten Brauerei
Grimma/Döben (an). Zur großen Bühne für Hobbypoeten wird am 15. November die Alte Brauerei auf dem Gelände von Schloss Döben. Literaturfreunde des Gymnasiums St. Augustin laden dorthin zum zweiten Mal zum Poetry Slam ein. Die Teilnehmer tragen bei diesem Wettbewerb vor Publikum eigene Texte vor. Der Applaus des Publikums und eine Jury entscheiden über Sieg und Platzierungen.
Schon bei der ersten Veranstaltung im März dieses Jahres stiegen mehrere Mutige aufs Podium in der von Besuchern gut gefüllten Brauerei. Für die zweite Auflage haben Deutschlehrer Jens Richter und seine Schüler einen Joker parat. Patrick Salmen kommt nach Döben. Der junge Mann aus Wuppertal ist amtierender Deutscher Meister im Poetry und will seinen Titel am übernächsten Wochenende in Hamburg verteidigen. Nach Döben kommt er während einer Tournee, die ihn einen Tag später nach Dresden führt. "Der tritt sonst vor 2000 Leuten auf und möchte unser Projekt unterstützen".
Die Alte Brauerei auf dem Schlossgelände in Döben hat nur 80 Plätze. Jens Richter rechnet schon jetzt mit einem ausverkauften Haus. Karten für Gäste wie auch für Akteure gibt es ausschließlich über den Internetauftritt der Literaturfreunde des St. Augustin: www.up-to-literatur.de
Was ist eigentlich ein Poetry Slam?
Poetry Slam
Was zum Teufel ist Slam?
Etrit Hasler, 6.1.06, Appenzeller Zeitung (gekürzte Textfassung)
Poetry Slam ist ein Wettbewerb der Bühnendichter. Bis zu einem Dutzend Poeten teilen sich über einen Abend dieselbe Bühne, um ihre Texte einem Publikum so aufregend, so mitreissend, so laut und schnell wie nötig und so einfühlend und zuckersüss wie möglich vorzutragen. Das Publikum seinerseits erhält die Jurymacht und bestimmt (entweder im Kollektiv über die Lautstärke des Applauses, oder in Form ausgewählter Publikumsjuroren) Gewinner und Verlierer des Abends.
Slam ist Literatur als Sport. Ein Poetry Slam ist spannend, unterhaltend. Ein Gladiatorenkampf der Redenschwinger. Ein Ringkampf der Alliteraten. Eine Dichterschlacht um Ruhm, Ehre und eine Flasche Whisky. Slam ist keine Lesung, denn Slam hat begriffen, wieso Lesungen nicht funktionieren. Slam geht vom gesprochenen Wort aus und nicht von der wirren Idee, dass geschriebene Texte auch vorgelesen funktionieren müssen. Slam ist kein Forum für tiefe Reflektion, für Gedankengänge, deren Sinn sich erst beim wiederholten Aufnehmen herauskristallisiert. Slam ist der Ort für Pathos, für Manifeste, Kitsch und Hasstiraden.
Beste Voraussetzungen für moderne Lyrik. Slampoeten brauchen keinen Tisch, um sich dahinter verstecken zu können, weil sie sich ihrer Wirkung auf der Bühne bewusst sein müssen. Slammer brauchen kein Wasserglas, weil Bier, Rotwein und Absinth die Stimme besser geölt halten, und Slammer stehen am Mikrofon, weil wer wirklich was zu sagen hat, der darf dabei nicht sitzen bleiben.
Slamily
Erfunden hat das Format ein Amerikaner, wie könnte es anders sein. Bevor aber gleich die Kulturimperialismusdebatte losgeht, lassen Sie mich festhalten, dass Slam! als Format nicht unamerikanischer sein könnte. Marc Kelly Smith aus Chicago, von aller Welt liebevoll «Slampapi» genannt, hat Slam! nicht nur als Nachbrenner für das vernarbte Konzept der Lesung ausgeheckt, sondern immer auch als Parodie auf den freien Markt. «Wir verabscheuen den Wettstreit und seinen Verbündeten Krieg», heisst es im Slammanifest «Disclaimer» der New Yorker Slamlegende Bob Holman. Die Slammer treten auf der Bühne nicht gegeneinander an, um sich zu zeigen, wer besser ist. Der Wettbewerb dient dazu, dem Abend einen dramatischen Stimmungsbogen zu verleihen, vom «Opferlamm», welches den Abend eröffnet, über das gegenseitige Anpeitschen in den Vorrunden, bis zum glorreichen Finale. Dies macht auch den Gewinner zur Nebensache. Kurz nach dem Sieg ist der Abend vorbei, und der Ruhm überträgt sich höchstens noch auf die Afterparty. So gilt neben der Seniorität in der Szene einzig die Platzierung an der grossen deutschsprachigen Meisterschaft, welche dieses Jahr seit sechs Jahren erstmals wieder in der Schweiz stattfinden wird, als Gradmesser der tatsächlichen Leistung. Der bedeutendste Begriff des Slams ist denn auch nicht etwa ein literarisches Konzept, sondern derjenige der Slamily, der «Familie» der Slammer, Veranstalter und Fans. Mit wenigen Ausnahmen reisen Slammer nicht durch halb Europa, weil sie sich damit ihren Lebensunterhalt verdienen, sondern um sich mit Menschen zu treffen, mit denen sie die Liebe zur Sprache und die Freude am Spiel verbinden.
Literatur?
Natürlich darf man sich fragen, ob denn Slam wirklich noch Literatur sei. Aber die Antwort ist nicht so einfach. Um das Gerücht ein- für allemal zu erledigen: Slam Poetry ist nicht improvisiert, und sie war es nie. Slammer sind Dichter, nicht Improvisationskünstler. Weitere Verallgemeinerungen sind dann schon schwieriger zu machen. Von klassischer zerbrechlicher Lyrik über HipHop-Lyrics über Schnitzelbankreime bis zu ausgefeilten, komprimierten Kürzestgeschichten findet sich alles auf unseren Bühnen. Das Prinzip ist einfach: Qualität ist, was dem Publikum gefällt. Natürlich kann das auch schade sein. Slammer reden über die Dinge, die ihnen wirklich begegnen. Wir reden über Sex und Alkohol, Musik und Filme, durchzechte Nächte und zerschlagene Beziehungen, Drogenmissbrauch und Politiker. Schnell taucht natürlich der Vorwurf auf, Slamtexte seien platt und nicht für die Ewigkeit geschrieben, die Themen der Texte widerspiegeln bloss unseren tristen und obszönen Alltag und transzendieren niemals unsere langweiligen Leben. Das mag sein. Dafür spiegeln sie unsere Zeit so genau wider, wie das kein anderes Genre vermag. Und sie machen Spass. Mehr können wir von unserer Kunst nicht erwarten.
Wann beginnt die Einschreibung?
ab dem 01. Oktober 2011
Wer darf teilnehmen?
Gruppe I: Wir laden ein
Gruppe II: Ihr schreibt euch ein
Gruppe III: spontaner Auftritt
Altersklasse A: 15 Jahre bis 99...
Altersklasse B: Grundschulbereich bis 14 Jahre
Welche Beiträge?
* pure Poesie oder poesie pure
(Gedichte, kurze Geschichten, erzählt etwas von euch, aber das zutieftst poetisch)
* ohne Hilfsmittel, nur ein Mikrofon und ein Podest und eure Stimme
* deutsche Texte, keine Liedvorträge
Regeln
- Teilnehmerzahl beschränkt
- Eigener Text
- Zeitlimit (5 Minuten)
- Keine Requisiten / No props
- Bewertungs- und Ausscheidungssystem
Langfassung:
Regeln:
1. Respect the poets.
2. Die Urheberrechte der vorgetragenen Textbeiträge müssen im EinzelWettbewerb in jedem Fall bei den Auftretenden liegen. Im Teamwettbewerb müssen die Urheberrrechte in jedem Fall bei mindestens einem Auftretenden des Teams liegen.
3. Die Redezeit beträgt in allen drei Bewerben in Vorrunden, Halbfinals, Finals und Stechrunden immer maximal fünf Minuten. Nach Ablauf der Zeit ertönt ein akustisches Signal in ansteigender Lautstärke. Nach 15 Sekunden Überzeit wird der Auftritt durch die jeweiligen ModeratorInnen abgebrochen.
4. Es ist nicht erlaubt, Hilfsmittel zu benützen, welche den Vortrag unterstützen, etwa Requisiten, Tiere, Feuerwerk, Kostüme und anderes.
Notenständer sind erlaubt und stehen nach Wunsch auch zur Verfügung.
5. Der Einsatz von Gesang ist nur zitathaft erlaubt und darf keinen erheblichen Anteil des Vortrags ausmachen. Also keine Lieder im Sinne eines Gesangsvortrages.
6. Das Slam-Komitee wählt die ModeratorInnen aus. Sie sind angehalten, in bestem Wissen und Gewissen durch die Runden zu führen.
7. Im Einzelwettbewerb dürfen Textbeiträge, welche in der Vorrunde vorgetragen wurden, im Halbfinal nicht wiederholt werden. Im Finale dürfen Textbeiträge aus Halbfinale und Vorrunde wiederholt werden. Innerhalb des Finales dürfen Textbeiträge nicht wiederholt werden.
8. In allen Vorrunden und Halbfinals der drei Wettbewerbe findet die Bewertung immer durch eine Jury aus fünf unabhängigen Personen statt, welche die Auftritte mit Noten von 0.0 bis 10.0 (ganze Zahlen und eine Dezimalstelle) bewertet, wobei die höchste und die niedrigste Note gestrichen werden. Die Jury ist festgelegt. Sie bewertet von 1-10.
9. Die Zuschauer entscheiden mit. Wird noch festgelegt in welcher Form.